Der erste Abend allein Zuhause. Du kommst nie mehr wieder.
Wir wissen es und können es doch nicht spüren, denn Du warst, Du bist überall anwesend.

Mit Gewalt, mit übermächtiger Anstrengung reiße ich meine Gedanken in die Richtung, die mir klarmachen, was passiert ist, meine Gedanken wollen nicht dorthin, sie wollen nicht wahrhaben, wollen Dich einfach nur lieben und dasselbe fühlen, wie immer. Du bist. Du bist da, auch wenn Du gerade nicht im Raum, in der Wohnung, im Ort bist. Wir gehen in Dein Zimmer. Es sieht ein wenig chaotisch aus. Kleidungsstücke liegen auf dem Boden, Eine leichte Wolldecke liegt vor dem Bett als Haufen geknüllt. Ich möchte ein bisschen aufräumen, das Bett machen, die Decke aufheben, ein T-Shirt vom Vortag in den Wäschekorb werfen. Dabei denke ich, ich dürfte nichts anfassen, nichts verändern, alles so lassen, wie Du es gelassen, verlassen hast. Um wiederzukommen. Nur Du darfst etwas verändern, weitermachen, weiterleben. Das Bett machen oder Dich einfach hineinlegen, das T-Shirt in die Wäsche tun oder noch einmal anziehen. Wenn ich mich einmische, zerreiße ich die Zeitstrahlen, die aus der Vergangenheit, von Donnerstagvormittag durch die Gegenwart in die Zukunft weisen. Dann zerreiße ich das Band. Dann wird offensichtlich, dass Du diese Dinge niemals mehr verändern wirst. Dann wissen wir, dass alles so bleibt, wie es war, als Du gingst, solange ich nichts berühre. Solange ich nichts berühre, scheint alles Dich zu erwarten.

Hortensie im Garten, fotografiert am Nachmittag des 22. Juli, AHNUNGSLOS...