Manchmal fürchte ich mich vor dem Schreiben. Ich fürchte mich davor, keine Erinnerungen zu haben.

So viele einzelne Bilder, Erlebnisse, Wahrnehmungen, immer in größerem Kontext. Kann ich diesen Kontext überhaupt erkennen, überschauen, weil es ja ein ganzes LEBEN, DEIN Leben war und ist, aus dem ich diese Erinnerungen nun herausgreife. Immer zu wenig. Immer zu ungenau. Immer so hilflos...
Und dieses Wenige: Es könnte in Vergessenheit geraten. Es wird mit mir ausgelöscht werden, wenn ich nicht schreibe. Und doch: Ich verfälsche Dein Leben durch mein Sein, durch meinen Erinnerungsfilter, durch meine unzureichende Sicht, mein schlechtes Gedächtnis, mein Unverständnis, meine Beschränktheit.

In Polen, 2002