Gedanken

Gedanken - Das Unfassbare fassen, das Undenkbare denken, das Unsägliche sagen, das Unbeschreibliche beschreiben...

Tastend bewege ich mich in diesem Niemandsland zwischen Leben und Tod. Ohne die Richtung zu kennen, orientierungslos.

So wie sich die Augen an plötzliche Dunkelheit gewöhnen können und allmählich Umrisse wahrnehmen, hoffe ich nach und nach in der Dunkelheit des Schmerzes und der Trauer Lichtpunkte auszumachen. Lernen im Dunkel zu gehen, lernen das innere Licht wiederzufinden...

Manchmal fürchte ich mich vor dem Schreiben. Ich fürchte mich davor, keine Erinnerungen zu haben.

So viele einzelne Bilder, Erlebnisse, Wahrnehmungen, immer in größerem Kontext. Kann ich diesen Kontext überhaupt erkennen, überschauen, weil es ja ein ganzes LEBEN, DEIN Leben war und ist, aus dem ich diese Erinnerungen nun herausgreife. Immer zu wenig. Immer zu ungenau. Immer so hilflos...
Und dieses Wenige: Es könnte in Vergessenheit geraten. Es wird mit mir ausgelöscht werden, wenn ich nicht schreibe. Und doch: Ich verfälsche Dein Leben durch mein Sein, durch meinen Erinnerungsfilter, durch meine unzureichende Sicht, mein schlechtes Gedächtnis, mein Unverständnis, meine Beschränktheit.

In Polen, 2002

 

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