Juni 2010

Ich bin im Arbeitszimmer am PC. Mein Schreibtisch steht vor dem Fenster. Du sitzt schräg hinter mir auf dem Sofa, lässig die Arme auf der Rückenlehne ausgebreitet. Obwohl Du hinter mir sitzt, habe ich Dich noch im Blickwinkel. Ich drehe mich zu Dir und wir beginnen eine Unterhaltung.

Wie oft gab es diesen Moment? Nach der Schule kamst Du und erzähltest, manchmal hast Du Dich nur hingesetzt und schwiegst, dann fragte ich Dich. Meistens hattest Du eine Idee, eine Frage, oder einfach ein Thema, über das man Wetten abschließen konnte. Manchmal wolltest Du nur da sein. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass Du Dich mehr für meine Arbeit interessierst. So wie früher, als Du klein warst. Damals wolltest Du alles machen, was ich mache. Alles hat Dich inspiriert. Aber das kann man nicht erwarten von einem jungen Mann, der gerade damit beschäftigt ist, seine Energien zu sammeln und eigene Wege zu entdecken.

Ich habe sie so gemocht, die Stories aus dem Unterricht, von Deinen Freunden, von dem, was Du gelernt hast. Manchmal hast Du berichtet, wie Klausuren gelaufen sind, Du hast die Lehrer mit ihren Eigenarten und Marotten so plastisch und eindrucksvoll beschrieben, dass ich mir alle vorstellen konnte. Ich wusste wie sie aussehen, wie sie heißen. Ich kannte die Schüler Deiner Klasse alle mit Namen, obwohl ich bisher kaum jemandem aus der neuen Schule begegnet war.