Glück

GLÜCK

Lass mir ein wenig Zeit, mein lieber Simeon. Ich muss meine Kräfte sammeln, meine Stimme muss sich vom Weinen erholen, wenn ich wieder vom Glück erzählen will...

Über allem liegt schwer und dunkel die Trauer, die Verzweiflung und der Schmerz. Doch ich will vom Glück erzählen, damit es nicht verloren geht.

Es ist so kostbar und es ist unwiederbringlich. Das Glück. Das Leben.

Arenshoop, 1995Am Strand von Ahrenshoop lag eine kleine rote Kindersonnenbrille im Sand. 1995.
David, Dein großer Bruder, hatte sie entdeckt. Sie war vollkommen unbeschädigt und wirkte wie neu. Möni, guck mal, eine Sonnenbrille, probier, ob sie Dir passt!
David schob Dir die Brille vorsichtig auf Deine kleine Nase und versuchte, Dich dabei nicht mit den Bügeln in die Ohren zu pieksen. Passt, riefst Du und schobst die Brille noch etwas höher. Da blieb sie nun mehr oder weniger. Nur abends, wenn die Sonne langsam unterging, hast Du sie abgenommen. Die Gläser war mit winzigen Fingerabdrücken übersät und davon nahezu undurchsichtig, denn Du schobst Deine Brille alle paar Minuten mit 10 Fingern auf einmal nach hoben. Putzen half da kaum. Ich sehe Deine niedlichen Händchen, wie Du Deine kleinen Finger eng zusammenlegtest, um mit allen gleichzeitig die Brillengläser hochzuschieben. Du warst sehr stolz auf Deine schicke Sonnenbrille!

Dein Haar war weich und duftete nach Sonne. Deine Stimme klang hell. Du hattest immer etwas zu erzählen, Du hast immer etwas entdeckt.

Mami, sagen was?

...war Dein Einleitungssatz, dann sprudelten die Neuigkeiten und Entdeckungen, die Fragen und Ideen.

 

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