Leben

LEBEN

Dieses wunderbare Geschenk, das wir für selbstverständlich halten. Leben, Leben, nichts als Leben ist, was zählt.

Alles ist möglich, solange Du lebst, alles verspielt, jede Chance vertan, wenn das Leben verloren.

Ach, wir kennen ja nur das Leben und diese schöne Welt!

Leben ist wachsen, entwickeln, reifen, sich irren und lernen, genießen, sich mühen, verschwenden und darben. Gewinnen und verlieren, immer wieder von vorn beginnen. Glück und Unglück. Und Zeit, Zeit, Zeit.

Wehe, wem keine mehr Zeit zum Leben bleibt.

 

Wie Du als kleiner Junge ohne Spielzeug in den Urlaub fahren wolltest: Nur Buntstifte und Papier mussten mit. Für schlechtes Wetter oder für den Fall, dass Du am Abend etwas malen wolltest.
Draussen brauchtest Du nichts. Am Strand hast Du mit Sand, mit Steinen, Stöcken, mit Muscheln, Seetang und Wasser gespielt. Du  brauchtest allenfalls einen Eimerchen oder eine leere Flasche, und wenn es eine Schaufel gab, war sie Dir als Hilfsmittel auch willkommen. Du hast, wie wahrscheinlich fast alle Kinder, Kleckerburgen gebaut, Schiffe und Autos aus Sand, und Murmelbahnen. Es war nicht wichtig, ob andere Kinder in der Nähe waren oder nicht. Wenn ja, hast Du mit ihnen gespielt, wenn niemand da war, warst Du auch zufrieden.
Dir wurde einfach nicht langweilig.
Schiffe

In einem Sommer waren wir Zelten in Born am Darß. David, gerade 14 oder 15, hatte einen Freund mit genommen, die beiden hatten ein Zelt für sich allein. Wir beide, Du und ich, wir schliefen im anderen Zelt.
Wenige Meter von uns entfernt hatte eine Familie mit einem kleinen Mädchen ihr Zelt aufgeschlagen. Sie sah so niedlich aus, ganz blond und braungebrannt. Ihr habt Euch gleich angefreundet und wart den ganzen Abend und den nächsten Morgen in Spiel und Gespräche vertieft. Unzertrennlich. Als wir am darauffolgenden Abend vom Strand zurückkehrten, war der Platz, wo das Zelt der Familie gestanden hatte, leer. Vor unserem Eingang stand ein aufblasbarer Dinosaurier. Ein Brief lag dabei. Die Eltern schrieben, dass sie unerwartet abreisen mussten. Das kleine Mädchen hatte Dir den Saurier dagelassen als Erinnerung, damit Du nicht traurig sein mögest. Es stand keine Adresse auf dem Brief. Trotz des Sauriers warst Du traurig, doch voller Dankbarkeit, dass dieses Mädchen so lieb zu Dir gewesen und Dir ein solches Geschenk gemacht hatte.

Sommer 1995 oder 1996 in Born, mit Deiner unbekannten Freundin

Sommer auf dem Darß, 1995 oder 1996Der Saurier begleitete Dich den ganzen Sommer und noch lang in den Herbst hinein. Bis wir ihn eines Abends im Hausflur haben stehen lassen. Am nächsten Morgen fanden wir ihn  zerstochen auf der Treppe.
Viele Jahre später hast Du Dich noch an das Mädchen mit dem Saurier erinnert.

Was wohl aus ihr geworden ist?

Aber wie soll man wissen…

 

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