Auf dem Friedhof  am 8.Mai 2011

Fliedersträuße auf Deinem Grab.
Ich schneide all den weißen und violetten Flieder in unserem Garten und bringe ihn Dir in Deinen kleinen Garten. Dazu kommen Zweige mit dichten Büscheln von winzigen weißen Blüten. Ich mische Sträuße mit den rosaroten Rosen, die Dir jemand mitgebracht hat.
Eine solche Pracht und eine solche Traurigkeit, ein Überfluss der zarten, kühleren Farben, nicht die sonnig pralle Pracht des vollen Lebens. Es ist die wehe, welkende Schönheit der Liebe, des Vergehens, der Trauer. Des Frühlings, der schon weiß, dass im Entstehen auch der Tod erwacht. Golden blitzen Sonnenreflexe auf Deinem Bildnis. Die Blumenschatten huschen im Wechsel mit Sonnenstrahlen über den Stein. Vom Wind getrieben, hin und her gewiegt. Käfer laufen. Ameisen bezwingen Halme und aufgestapelte Steinchen. Eine Hummel schwelgt in Vergissmeinnicht-Büschen.

Und Du, mein Sohn?
Bist mir so nah. Und kommst doch nie mehr wieder.