Begraben und beerdigen, diese Worte passen nicht zu Dir Simeon. Du bist so jung, so frisch, so lebendig...

Ein helles Feld, eine Wiese, einige Gräber sind schon aufgereiht. Mit Blumen und Steinen geschmückt. Ganz in der Nähe Deines künftigen Gartens steht eine alte Birke. Ihr Stamm ist mit Efeu umrankt. Wenn die Sonne scheint, gibt es den ganzen Tag ein Lichtspiel zwischen Sonne und Halbschatten. Und das Rascheln der Birkenblätter.
Der Träger lässt die Urne langsam nach unten sinken.

Ich gehe zu Deinem Grab. Ich gebe Dir wieder ein Brieflein mit, diesmal ein sehr kleines in einem hellen, sandfarbenen Umschlag. Ich muss mich hinknien, um den kleinen Brief genau auf den Urnendeckel fallenzulassen. Ich will, dass das Brieflein nicht daneben fällt. Dann lasse ich einige Rosenblätter darauf niedersinken. Sie schweben langsam. Ein leichter Windhauch weht einige zur Seite.

Hörst Du Simeon, was ich Dir sage?

Sei selig, sei frei! Wir werden nie getrennt sein, Simeon. Ich liebe Dich!

So rede ich zu Dir.

13.August 2010, Beerdigung auf dem Friedhof in Friedrichshagen

Frank und ich, Dein Vater Christo, Dein Bruder David, Omi, Berit und Klaus, wir stehen nahe bei Deinem Grab und sehen, wie nach und nach die weiteren Familienmitglieder und alle Gäste herantreten und Dir eine Gruß schicken: einen Kranz, einen Strauß, eine Blume. Auch sie werfen Dir einige Rosenblätter zu, die Dir den Übergang leicht machen sollen. Duftend, leicht, unbeschwert und wunderbar soll Deine große Reise sein. Mögest Du staunen und glücklich sein.

Nachdem jeder Dich auf eigene Weise gesegnet  oder Dir einen Abschiedsgruß oder Wünsche auf den Weg gegeben hat, legt der Urnenträger den blauweißen Blütenkranz auf die Öffnung. Nun müssen wir gehen, welch schwerer Gang, weg von Dir. Weg von Deinem Grab.

Bleibst Du dort allein? Oder bist Du schon längst weit fort? Oder bist Du längst da wo wir sind, wo ich bin, nur kann ich Deine andere, fremde Gestalt noch nicht erkennen?

Wir laden die Gäste ein, uns nach Hause zu begleiten, um gemeinsam zu essen und Deiner zu gedenken. Auch damit wir unser Verlassensein  weniger spüren müssen? Vielleicht. Einige Leute sind schnell  fortgelaufen vom Friedhof. Manche haben sich nicht einmal verabschiedet. So etwas erleben wir jetzt. Leute verhalten sich ganz unerwartet. Meiden uns, reagieren übertrieben fröhlich oder sind sehr kurz angebunden, sprechen uns an und laufen weg ohne eine Antwort abzuwarten. Sie wechseln die Straßenseite oder drehen sich weg. Sie begegnen uns wie Kranken, vor denen man sich in Acht nehmen muss.