Träume

Simeon, Deine Träume vom Leben, von der Zukunft, vom Glück! Von Reisen, von Freunden, von Aufgaben und Erfolgen, von der Liebe, von Familie und Kindern...

Meine Träume, in denen ich Dich suche, suche, suche...

 

4. Januar 2011

Lieber Simeon,

nach dem Workshop mit Patch Adams ließ mich das dort Erlebte nicht mehr los. Das waren doch die Pfeiler unseres Lebens gewesen: Freude und Zuversicht!
Wie soll ich das weiterleben, jetzt? Alles zerbrochen, nichts bleibt, nichts von all dem, was ich Dir auf den Weg geben wollte, gilt für mich selbst? Die Verzweiflung über Deinen Tod, mein unermesslicher Verlust straft mich lügen. Verrate ich unseren Lebenssinn? Unsere Art, das Glück überall zu finden und selbst in den kleinsten Dingen Freude zu entdecken? Die Lust, vor Aufgaben nicht zu kapitulieren und in schweren Momenten daran zu denken, dass man große Berge, wenn es sein muss, mit kleinen Teelöffeln abtragen kann? Die Gewissheit, dass niemand jemals verloren geht...
Ich habe Patch einen Brief geschrieben und ihm von Dir erzählt, ich habe ihm auch davon erzählt, dass ich keine Ausweg weiß und verzweifelt bin über Deinen Tod.

Unglaublich: Gestern lag ein dicker, großer Brief im Kasten! Patch hat mir eine Karte geschrieben, die Worte waren für mich (auch für Frank) teilweise schwer zu entziffern, denn die Karte war von oben bis unten ganz dicht beschrieben. Wir haben gerätselt, bis wir fast alles entziffern konnten, mittlerweile fehlt uns nur noch ein Wort. Er schreibt: "Ich fühle wie die Tränen die Erde wässern, auf der seine Gegenwart wächst, um sein Leben mit deinem zu verbinden für den Rest deines Lebens. Du wirst sehen, er lebt in Dir – gib seiner Freude Raum – lass ihn dein Lehrer sein."
Ich hoffe, es richtig verstanden zu haben:

"I feel the tears water the soil where his presence grows to join his life with you for the rest of your life. You will see that he lives in you -  let his joy out – let him be your coach."

Patch hat mir sein zweites Buch geschickt und mich auf ein Sonett von Neruda hingewiesen, das beginnt: „Wenn ich sterbe…“ Ich werde es auf Spanisch und in einer guten deutschen Übersetzung suchen.

Es ist so schwer. Simeon, nicht zufällig sagen die Menschen vom Tod, er sei UNFASSBAR! ER IST UNFASSBAR. Für mich.
Du sollst Dich niemals für mich schämen müssen, mein Kleiner!!!
Ich werde versuchen, mein Leben gut zu machen. Ich will Deiner Freude eine Stimme geben. Es muss einen Sinn haben, dass ich noch hier bin. 
Die Gegenwart Deines Todes ist so groß und unbegreiflich und übermächtig, dass sie mich lähmt, dass sie meine Erinnerung überschattet, dass sie die Strahlen der Freude überschattet, die unser Leben, die Dein Leben so wunderbar leuchten ließen.

Dieses Leben ein wenig zum Leuchten zu bringen, wird meine Aufgabe sein. Damit Deine Freude Raum findet und singen kann.

 

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