Unglück

UNGLÜCK

Ein Moment mit Auswirkungen in alle Ewigkeit. Die Aufhebung von Raum und Zeit. Die Aufhebung aller Vereinbarungen. Das Unfassbare. Das Undenkbare. Das, wovon man in der Zeitung liest. Das, was uns nicht widerfahren kann?

Das Unglück, das unsere Welt aus den Angeln hebt...

Das Unglück, das unbemerkt bleibt von denen, deren Welt sich einfach weiterdreht...

Was ist Dir geschehen, wie, warum, wer hat das getan?
Was hast Du gerufen in Deiner Not? Was hat Dich bewogen hinaus zu schwimmen? Gibt es jemanden, der schuld an allem ist? Hat jemand versucht zu helfen? Was haben die Jungen gemacht? Haben sie die Gefahr erkannt? Waren auch sie in Panik? Was ist Dir geschehen? Warst Du plötzlich schwach, hattest Du einen Krampf, war die schlecht, was war es? Dein Herz, Dein Kreislauf? 

Du warst immer achtsam und vorsichtig. Du warst kräftig und gesund. Du konntest Entfernungen schätzen, Du wusstest, dass im Wasser alles näher aussieht. Du bist doch klug!

Wir erfahren, dass die Nachricht in der Presse war, das ganze Wochenende lang. Im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen. Wir haben nichts gehört, nichts gelesen, nichts gesehen.
Wir sind allein in der Stille der Wohnung, hören nur unsere eigenen Stimmen. Unser Weinen, unser Aufheulen. Manchmal. Manchmal klappt Deine Zimmertür. Jedes Mal eine Millisekunde Hoffnung. Sie zerreißt noch im selben Moment, in dem sie entsteht.
Eiskalter, hohler, starrer Schrecken.

Simeons Fahrrad und seine Sachen

 

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